Warum ist der Spritpreis doch (wieder) so hoch nach dem 1. Mai?
- Der Spritpreis bleibt trotz Entlastung hoch, weil der Preis an der Tankstelle nicht nur aus Steuern besteht. Rohölpreis, Raffinerie, Transport, CO₂-Abgabe, Wechselkurs und Gewinnspannen spielen ebenfalls eine Rolle.
Viele Autofahrer haben nach dem 1. Mai niedrigere Preise erwartet. Der Grund dafür ist der sogenannte Tankrabatt. Damit ist eine staatliche Entlastung gemeint, bei der die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für eine bestimmte Zeit gesenkt wird. Die Bundesregierung nennt eine Senkung der Energiesteuersätze um 14,04 Cent je Liter. Mit der darauf entfallenden Mehrwertsteuer kann die Entlastung brutto bei bis zu rund 17 Cent pro Liter liegen. Quelle: Bundesregierung Bundesregierung.de
Trotzdem ist der Spritpreis nach dem 1. Mai nicht automatisch um genau diese 17 Cent gefallen. Das liegt daran, dass der Preis an der Zapfsäule nicht nur aus Steuern besteht. Er setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: Rohölpreis, Raffineriekosten, Transport, Gewinnmargen, Energiesteuer, CO₂ Preis und Mehrwertsteuer. Wenn ein Teil davon sinkt, andere Teile aber gleichzeitig steigen, sieht man an der Tankstelle oft nur eine kleine Entlastung. Quelle: ADAC ADAC
Was ist nach dem 1. Mai passiert?
Der Tankrabatt gilt seit dem 1. Mai 2026. Laut ADAC wurde seine Wirkung aber erst ab dem 2. Mai richtig sichtbar, weil Kraftstoffpreise immer als Tagesdurchschnitt betrachtet werden und Tankstellen ihre Preise über den Tag hinweg mehrfach verändern können. Der ADAC schrieb außerdem, dass die Steuersenkung nur teilweise bei den Verbrauchern angekommen sei. Quelle: ADAC ADAC
Am Sonntag nach dem Start des Rabatts lag der bundesweite Tagesdurchschnitt laut ADAC trotzdem noch bei etwa 2,017 Euro für Super E10 und 2,104 Euro für Diesel. Das bedeutet: Die Preise waren zwar niedriger als die extrem hohen Werte im April, aber sie blieben weiterhin sehr hoch. Quelle: WELT / ADAC-Daten DIE WELT
Ein wichtiger Punkt ist: Tankstellen müssen den Rabatt nicht sofort eins zu eins weitergeben. Die Steuersenkung greift dort, wo Kraftstoff aus Raffinerien oder großen Lagern in den Markt kommt. Wenn eine Tankstelle noch Kraftstoff verkauft, der vorher eingekauft wurde, kann sich die Preissenkung verzögern. Deshalb kommt so ein Rabatt oft nicht in einer einzigen Nacht vollständig an. Quelle: Autohaus / dpa autohaus.de
Warum reicht der Tankrabatt nicht aus?
Der Tankrabatt senkt nur einen Teil des Preises. Gleichzeitig waren die Ausgangspreise vor dem 1. Mai sehr hoch. Kurz vor der Einführung kostete Super E10 laut ADAC im Schnitt etwa 2,106 Euro pro Liter, Diesel etwa 2,196 Euro pro Liter. Wenn davon ungefähr 17 Cent abgezogen werden, bleibt Diesel trotzdem nahe oder über zwei Euro. Quelle: Merkur / ADAC-Daten Merkur
Einfach gesagt: Wenn etwas vorher extrem teuer ist, macht auch ein Rabatt daraus nicht automatisch einen günstigen Preis.
Dazu kommt, dass Kraftstoffpreise nicht nur durch deutsche Steuern bestimmt werden. Benzin und Diesel hängen stark am internationalen Ölmarkt. Rohöl wird weltweit gehandelt. Wenn Öl teurer wird, wird meist auch Benzin und Diesel teurer. Wenn politische Krisen, Kriege oder Lieferprobleme den Ölmarkt verunsichern, steigen die Preise oft schnell. Quelle: ADAC ADAC
Was bedeutet Rohölpreis?
Der Rohölpreis ist der Preis für Erdöl, bevor daraus Benzin, Diesel, Heizöl oder andere Produkte hergestellt werden. Erdöl ist der Grundstoff. In Raffinerien wird daraus später Kraftstoff gemacht.
Wenn Rohöl teurer wird, steigen meistens auch die Kosten für Benzin und Diesel. Der Zusammenhang ist aber nicht immer sofort und nicht immer gleich stark sichtbar. Zwischen Rohöl und Tankstelle liegen Raffinerien, Handel, Transport, Steuern und Gewinnspannen.
Besonders wichtig ist auch, dass Rohöl meist in US-Dollar gehandelt wird. Deshalb spielt der Wechselkurs eine Rolle. Wenn der Euro gegenüber dem Dollar schwächer wird, wird Öl für europäische Käufer teurer. Wenn der Euro stärker wird, kann das Öl günstiger machen. Der ADAC nennt den Dollar-Kurs ausdrücklich als einen Faktor für Kraftstoffpreise. Quelle: ADAC ADAC
Was bedeutet CO₂ Preis?
Der CO₂ Preis ist eine Abgabe auf klimaschädliche Brennstoffe. CO₂ ist die Abkürzung für Kohlenstoffdioxid. Dieses Gas entsteht unter anderem, wenn Benzin oder Diesel verbrannt wird.
Die Idee dahinter: Wer fossile Brennstoffe nutzt, soll einen Teil der Klimakosten im Preis mitbezahlen. Dadurch werden Benzin, Diesel, Heizöl und Gas teurer.
Für 2026 liegt der CO₂ Preis in Deutschland in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO₂. Laut ADAC macht das bei einem Mittelwert von 60 Euro pro Tonne ungefähr 17 Cent pro Liter Benzin und rund 19 Cent pro Liter Diesel aus. Quelle: ADAC ADAC
Das bedeutet: Auch wenn die Energiesteuer ab dem 1. Mai gesenkt wurde, bleibt der CO₂ Preis weiterhin ein Kostenfaktor im Spritpreis.
Warum ist Diesel oft besonders teuer?
Diesel ist nicht nur ein Kraftstoff für Autos. Er wird auch im Güterverkehr, in der Landwirtschaft, in der Industrie und teilweise bei Maschinen gebraucht. Deshalb reagiert Diesel oft besonders empfindlich, wenn es Probleme am Energiemarkt gibt.
Wenn viele Bereiche gleichzeitig Diesel benötigen und das Angebot knapp oder teuer ist, steigt der Preis. Dazu kommt, dass Diesel und Heizöl technisch näher miteinander verwandt sind als Benzin und Heizöl. Wenn also auch die Nachfrage nach Heizöl oder dieselähnlichen Produkten steigt, kann das den Dieselpreis zusätzlich belasten.
Deshalb kann Diesel trotz niedrigerer Energiesteuer teurer sein als Benzin. Das wirkt für viele Menschen unlogisch, hat aber mit Nachfrage, Produktion und internationalem Handel zu tun.
Was bedeutet Marge?
Die Marge ist der Unterschied zwischen den Kosten eines Unternehmens und dem Preis, zu dem es verkauft. Bei Sprit geht es dabei um die Spanne, die Raffinerien, Mineralölkonzerne, Großhandel und Tankstellen verdienen können.
Wenn der Staat die Steuer senkt, heißt das nicht automatisch, dass der gesamte Betrag beim Kunden landet. Ein Teil kann durch höhere Margen aufgefangen werden. Genau das kritisierte der ADAC nach dem Start des Tankrabatts: Die Entlastung sei nicht vollständig an die Autofahrer weitergegeben worden. Quelle: ADAC / WELT DIE WELT
Einfach gesagt: Der Staat nimmt weniger Steuer, aber der Endpreis fällt nur dann deutlich, wenn Handel und Tankstellen diese Senkung auch wirklich weiterreichen.
Warum schwanken die Preise an einem Tag so stark?
Spritpreise sind nicht den ganzen Tag gleich. Viele Tankstellen ändern ihre Preise mehrfach am Tag. Morgens ist Tanken häufig teurer, abends oft günstiger. Das liegt an der Preisstrategie der Anbieter.
Dabei beobachten Tankstellen auch die Konkurrenz in der Umgebung. Wenn eine Tankstelle den Preis senkt, ziehen andere manchmal nach. Wenn genug Nachfrage da ist, steigen die Preise wieder.
Deshalb kann es passieren, dass jemand mittags einen ganz anderen Preis sieht als jemand am Abend. Der Tagesdurchschnitt zeigt nur den Durchschnitt, nicht den besten oder schlechtesten Zeitpunkt.
Warum fühlt sich der Rabatt kleiner an, als er ist?
Weil viele Menschen nicht den Steuerbetrag vergleichen, sondern den Endpreis. Wenn der Preis vorher bei etwa 2,20 Euro lag und danach noch immer bei etwa 2,05 Euro liegt, fühlt sich das weiterhin teuer an.
Dazu kommt ein psychologischer Effekt: Viele haben erwartet, dass der Preis deutlich unter zwei Euro fällt. Wenn das nicht passiert, wirkt der Rabatt wie ein Fehlschlag. Tatsächlich kann der Preis gefallen sein, aber nicht stark genug, um die Erwartung zu erfüllen.
Gerade Diesel zeigt das gut: Wenn Diesel vorher bei fast 2,20 Euro liegt, reichen 17 Cent Entlastung nicht immer, um sicher unter zwei Euro zu kommen. Quelle: Merkur / ADAC-Daten Merkur
Die einfache Erklärung
Der Spritpreis ist nach dem 1. Mai noch hoch, weil der Tankrabatt nur einen Teil des Preises senkt. Gleichzeitig waren Benzin und Diesel vorher schon extrem teuer. Dazu kommen hohe Rohölpreise, internationale Krisen, der CO₂ Preis, Mehrwertsteuer, Wechselkurse und mögliche höhere Gewinnmargen bei Unternehmen.
Der wichtigste Punkt ist: Eine Steuersenkung ist kein Preisdeckel. Sie garantiert nicht, dass Benzin und Diesel sofort genau um diesen Betrag billiger werden.
Kurze Begriffserklärungen
Tankrabatt bedeutet, dass der Staat Kraftstoff vorübergehend steuerlich entlastet. Dadurch soll Tanken günstiger werden.
Energiesteuer ist eine feste Steuer auf Kraftstoffe wie Benzin und Diesel. Sie wird pro Liter erhoben.
Mehrwertsteuer ist eine allgemeine Steuer auf den Verkaufspreis. In Deutschland liegt sie normalerweise bei 19 Prozent.
CO₂ Preis ist eine Abgabe auf den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid. Sie macht fossile Brennstoffe teurer.
Rohölpreis ist der Preis für Erdöl auf dem Weltmarkt. Aus Erdöl werden unter anderem Benzin und Diesel hergestellt.
Marge ist die Gewinnspanne zwischen Einkaufskosten und Verkaufspreis.
Wechselkurs beschreibt, wie viel eine Währung im Verhältnis zu einer anderen wert ist. Beim Öl ist besonders der Kurs zwischen Euro und US-Dollar wichtig.
